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Ein Wechsel der Energieträger: Das Holz wurde knapp, Wien wird ab jetzt stärker mit Gas versorgt

Die vorindustrielle Gesellschaft entsprach einer Agrargesellschaft mit Holz als wichtigstem Energielieferant, aber auch Wasser und Wind wurden bereits als Ressourcen zum Antrieb von Mühlen oder Segelschiffen genutzt. Holz und Holzkohle zählten auch in Wien zu Beginn des 19. Jahrhunderts als die zentralen Energieträger und lieferten bis 1840 beinahe die gesamte Energie für die wachsende Stadt. Eine Versorgung von ganzen Städten durch den Energieträger Holz ist jedoch beschränkt, denn Holz hat eine geringe Energiedichte und benötigt eine große Fläche sowie einen relativ hohen Arbeitseinsatz zur Erzeugung. Ein Transport über weitere Strecken mit einem Fuhrwerk war somit nicht rentabel und das Holz wurde in erster Linie per Fluss gebracht. Um an Holz zu gelangen, war für Wien der umliegende Wienerwald lange Zeit die wichtigste Ressource. Um 1800 lebten rund 250.000 Menschen in Wien und bis 1840 wurde 95 Prozent des Energiebedarfs mit Holz gedeckt. Schon bald konnte der große Bedarf an Brennholz aufgrund der wachsenden Bevölkerung nicht mehr gedeckt werden und löste eine Knappheit aus.

Aufgrund der vorliegenden Holzknappheit wurden immer mehr Haushalte mit Gas versorgt. Die englische Imperial-Continental-Gas-Association kurz ICGA, übernahm die Versorgung Wiens als private Gesellschaft und ist damit zu dieser Zeit die wichtigste Gesellschaft für die Gasversorgung Wiens. Die ICGA konnte im Laufe der Zeit durch diverse Übernahmen anderer privater Anbieter ihre Position stärken bis sie 1845 schlussendlich eine Monopolstellung erreichte. Die ICGA bekam weiters den Beleuchtungsvertrag von der Gemeinde Wien.

So wie sich die Stadt und das Leben der Menschen in Folge der neuen technischen Möglichkeiten veränderten, so änderte sich auch die Bedeutung einzelner Energieträger und mit der Industrialisierung ging ein Wechsel im Energieregime einher. Mit der Industrialisierung begann sich die Bedeutung des fossilen Energieträgers Kohle zunehmend zu steigern. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stellte Kohle einen relativ kleinen Anteil der genutzten Energiequellen dar, ehe dessen Nutzung dramatisch zunahm und den Energieträger Holz verdrängte. Die Bedeutung der Kohle war daher für die Industrialisierung und Mobilisierung enorm, denn diese wurde zum Antrieb der Dampfmaschinen benötigt, denen im Industrialisierungsprozess für die Mechanisierung einiger Industriezweige große Bedeutung zukam.

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Energie