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Umstellung der Wiener Stadtgasversorgung auf Erdgas

  • Bild des Covers der Erdgas-Broschüre zur Umstellung .
  • Ein Plakat für den neuen Ersgasherd nach der Erdgasumstellung (1971).

Die allgemeine Konsumsteigerung nach dem Wirtschaftsaufschwung ging auch an der Gasversorgung nicht spurlos vorüber. Die Folgen waren ein stetig höher werdender Gasverbrauch. Immer mehr Haushalte waren im Besitz einer komfortableren und zugleich umweltfreundlicheren Gasheizung, welche einen höheren Lebensstandard suggerierte. Für die Gaswerke und die bestehenden Rohrnetzkapazitäten wiederum bedeutete der Anstieg des Gasverbrauches eine Auslastung bis an die Grenzen. Bei Berechnungen in den 1960er Jahren kam heraus, dass Erdgas im Vergleich zum Stadtgas den Doppelten Heizwert aufweist und somit wesentlich rentabler ist. Für die Herstellung der gleichen Leistung an Wärme würde somit die halbe Gasmenge genügen. Ein weiterer Vorteil von Erdgas ist dessen neutraler Geruch.

Im April 1970 erfolgte der Beschluss zur Umstellung der Wiener Stadtgasversorgung auf Erdgas, was eines der größten Projekte der Wiener Stadtwerke in der 70er Jahren darstellte. In Wien waren rund 780.000 Gaskunden von der Umstellung betroffen und das Vorhaben erforderte eine mehrjährige Phase der Planung und Organisation, bevor die Umstellung in die Tat umgesetzt werden konnte. Die Wiener Stadtwerke-Gaswerke orientieren sich hierbei vor allem an Erfahrungen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern, um eine möglichst unkomplizierte Umstellung zu gewährleisten. Erschwerend wirken sich die zahlreichen alten Gasgeräte, teilweise stammten diese noch aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, in den Haushalten aus, die nicht für die Nutzung mit Erdgas kompatibel waren. Bei einer Umrüstung mussten wegen des unterschiedlichen Heizwertes und des unterschiedlichen Betriebsdruckes die Düsen und die Dichtungen an der jeweiligen Feuerungstechnik ausgetauscht werden, oder die Geräte wurden durch neue ersetzt, die für Erdgas ausgelegt waren. Auch bestand das Problem, dass durch das im Vergleich zum Stadtgas eher trockene Erdgas klassische Dichtungen aus Hanf austrockneten und damit undicht wurden. Die Wiener Stadtwerke-Gaswerke gaben daher den Auftrag, den Umbau der alten Geräte zur Nutzung mit Erdgas zu prüfen, an eine externe Firma und an die Versuchsanstalt für Gas- und Feuerungstechnik der Wiener Stadtwerke-Gaswerke weiter. Bei der Umstellung fand eine Arbeitsteilung zwischen den Wiener Stadtwerken-Gaswerken und einem privaten Umstell-Unternehmen, kurz UU genannt, statt. Als UU konnte sich die Firma „Integral-Gastechnik“ behaupten, mit der ein Vertrag zur Prüfung und Umstellung der alten Geräte zustande kam.

Die Umstellung erfolgte nach einem strikten Plan und konnte letztlich schneller als vorgesehen, nach nur acht Jahren, im September 1978 beendet werden. In acht Jahren wurden in 764.000 Haushalten, Industrie- und Gewerbebetrieben 1,5 Millionen Geräte ausgetauscht oder umgebaut.

Was bedeutet „Ganslspitze“? – Mit der steigenden Popularität von Gasheizungen wurde das Gas nicht mehr nur zum Kochen und zur Warmwasserbereitung verwendet, was zuvor einen erhöhten Verbrauch lediglich zu gewissen Tageszeiten oder an besonderen Tagen darstellte, sondern zu einem Anstieg des gesamten Jahresverbrauches. Als Beispiel für eine solche Bedarfsspitze sei die sogenannte „Ganslspitze“ zu erwähnen, welche jedes Jahr am 25. Dezember zwischen 11 und 12 Uhr, während die Wiener Bevölkerung mit der Zubereitung des Weihnachtsessens beschäftigt waren, erreicht wurde und zur höchsten stündlichen Gasabgabe der Werke führte.

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