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Die Gesellschaft verändert sich: Entstehung Konsumgesellschaft

  • Bild einer Vorführung von Kochgeräten und deren Handhabung im Direktionsgebäude (Josefstädter Straße) der Wiener städtischen Gaswerke in den 1920er Jahren.
  • Wien Votivpark im Jahr 1950.

Die obere Abbildung zeigt die Ausstattung privater Haushalte anhand ausgewählter Konsumgüter ab 1974. Die enorm steigende Zahl an elektrischen Geräten lässt einen steigenden Energiebedarf für die Haushalte erkennen.

Nachdem der Mangel lange Zeit das Leben der Menschen bestimmt hatte, entstand in Österreich in den 1950er Jahren eine Konsumgesellschaft, die, aufgrund der industriellen Massenproduktion und durch den Import ausländischer Güter, über ein vielfältiges Angebot an Waren und Dienstleistungen verfügte. Durch die steigenden Reallöhne und ein konstantes Wirtschaftswachstum konnten diese nun auch in Anspruch genommen werden. Neben ökonomischen Faktoren wirkten sich vor allem soziale und kulturelle Merkmale auf die Entstehung einer neuen Art des Konsumieren aus, in der die Freizeit immer mehr an Bedeutung gewann und neue Wünsche entstehen ließ. Diente der Konsum lange Zeit der Befriedigung von Grundbedürfnissen, wurden nun immer neue Bedürfnisse und Sehnsüchte geschaffen und durch Werbung propagiert. Es setzte eine Konsumwelle ein, die sich durch neue technische Entwicklungen enorm auf den Energieverbrauch der Haushalte auswirkte. Der niedrige Strompreis der Zeit half dabei, dass der Energieverbrauch in der Verbrauchsstruktur überproportional anwuchs, während der Stromverbrauch der Sektoren Gewerbe, Landwirtschaft, Industrie, öffentliche Anlagen und Verkehr hingegen kaum Veränderungen unterlag. Verbrauchte ein österreichischer Haushalt während der Nachkriegsjahre, in welchen Strom hauptsächlich zur Beleuchtung diente und elektrische Geräte eine Mangelware darstellten, etwa 140 kWh Strom pro Jahr, stieg der Verbrauch pro Haushalt auf 575.000 MWh im Jahr 1951 und auf bereits rund 1.728.000 MWh Strom im Jahr 1960 an.

Die Verbrauchssteigerung wird auch anhand der Wohnungsausstattungen sichtbar. Besaßen zu Beginn der 50er Jahre nur rund nur 6% der Haushalte einen Elektroherd, machten ein Jahrzehnt später beinahe rund 30 Prozent von diesem Gebrauch. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren spricht man daher von der Revolution der Haushalte, die nach dem Motto „Elektrisch leben heißt besser leben!“ vollzogen wurde. Die Industrie warb für Kühlschränke, Herde, Wasserspeicher, Waschmaschinen, Kaffeemaschine, Staubsauger, etc., welche besonders der Hausfrau den Alltag erleichtern und Zeitersparnis bringen sollten. Dies wird auch am Beispiel des Kühlschranks deutlich, der sich rasch in sämtlichen Haushalten wiederfand. Verfügten 1952 nur ca. zwei Prozent der Haushalte über einen Kühlschrank, waren es 1959 bereits 18 Prozent und 1974 bereits 91 Prozent. Länger dauerte es, bis beispielsweise die Waschmaschine ihren Weg in die Wohnung fand. 1970 besaßen gerade einmal 13% der Haushalte eine eigene Waschmaschine.

 

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