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Gründung der städtischen Elektrizitätswerke

  • Protokoll Gemeinderatssitzung 5. Mai 1899

Als der Entschluss zur Elektrifizierung der Pferdestraßenbahnen und deren Kommunalisierung fiel, war dies letztlich auch der Auslöser für die Errichtung eines eigenen städtischen Elektrizitätswerkes. Die Gemeinde wollte auch in diesem Bereich unabhängig von privaten Betreibern agieren und selbst in das Stromgeschäft einsteigen.

Überlegungen, die Stromversorgung der Stadt selbst zu übernehmen, gab es bereits seit 1887. Ein Antrag des Wiener Stadtbauamtes zur Errichtung einer eigenen Zentrale wurde damals vom Gemeinderat nicht angenommen, denn die neue Technik war noch mit großen Unsicherheiten verbunden und man war sich der Rentabilität eines stadteigenen Werkes nicht sicher. Die Stromversorgung ging daher vorerst an private Gesellschaften, jedoch hielt sich die Gemeinde Wien bei der Vergabe von Straßenbenützungsrechten die Möglichkeit offen, selbst eine Anlage zu errichten und ins Stromgeschäft einsteigen zu können. Als das Stadtbauamt 1895 neuerlich einen Antrag zum Bau eines Werkes stellte, wurde dieser angenommen. Das wirtschaftliche Entwicklungspotential der Stromversorgung war zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt und die katastrophalen sozialen Zustände im privaten Personenverkehr erforderten ebenfalls Handlungsbedarf. Daher beschloss der Gemeinderat, sowohl ein Kraftwerk für den Straßenbahnbetrieb als auch ein gesondertes Kraftwerk zur Abgabe von Licht- und Kraftstrom zu errichten. Die Kraftwerke sollten unter dem Namen „Gemeinde Wien städtisches Elektrizitätswerk“ geführt werden. Dass es zu einer Trennung des Licht- und Kraftstromwerkes vom Bahnwerk kam, hing vor allem mit rechtlichen und fiskalischen Schwierigkeiten zusammen. Der Startschuss für den Bau eines städtischen Elektrizitätswerkes fiel im Mai 1899. Der Gemeinderat beschloss die Aufnahme einer Anleihe für die Errichtung einer eigenen Stromversorgung und schrieb dazu einen Wettbewerb aus. Ein Jahr später, im Mai 1900, wurde die Anleihe in Höhe von 30 Millionen Kronen (rund 399 Millionen Euro) bei der Österreichischen Länderbank aufgenommen und ein Bauvertrag mit der Österreichischen Schuckertwerke AG geschlossen.

 

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